Was macht eine bipolare Stoerung fuer das Umfeld so herausfordernd?
Spätestens seitdem Ex-GNTM Model Tessa Bergmeier bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ offen über ihre bipolare Störung sprach, hat es das Thema auf besondere Weise geschafft, in den Medien präsent zu werden.
Der Belastungsdruck, dem sich die Betroffenen ausgesetzt sehen, ist oft hoch. Aber auch viele Angehörige leiden mit. So kann eine bipolare Störung dafür sorgen, dass sich das Leben zahlreicher Menschen von Jetzt auf Gleich verändert. Rund um das Beschwerdebild gibt es jedoch auch zahlreiche Vorurteile.
Immer wieder werden bipolare Störungen zum Beispiel mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen verwechselt.
Die folgenden Abschnitte zeigen auf, was eine bipolare Störung in diesem Zusammenhang so besonders macht und welche Möglichkeiten der Therapie sich bieten.
Übrigens: Bei der bipolaren Störung handelt es sich um eine Krankheit, die quasi auf der ganzen Welt präsent ist. Frauen sind laut Statistik häufiger betroffen als Männer. Aufgrund der Tatsache, dass nicht alle bipolaren Störungen auch diagnostiziert werden, dürfte die Dunkelziffer deutlich höher sein.
Was deutet auf eine bipolare Störung hin?
Die bipolare Störung gehört zu den psychischen Erkrankungen. Ein Detail, das hier besonders charakteristisch ist, ist, dass die Betroffenen emotional zwischen (meist) zwei Extremen schwanken. Entweder sind sie unglaublich gut gelaunt und euphorisch oder zu Tode betrübt. Häufig wechseln sich Phasen der Unruhe mit depressiven Episoden ab. Daher war aus wissenschaftlicher Hinsicht hier früher immer von der „manisch-depressiven Erkrankung“ die Rede.
In einigen Fällen kann es auch sein, dass sich beide Phasen miteinander vermischen bzw. fließend ineinander übergehen. Die ersten Symptome einer bipolaren Störung zeigen sich oft im jungen Erwachsenenalter – manchmal auch noch etwas früher.
Vor allem Menschen, die bereits unter einer anderen psychischen Erkrankung, wie zum Beispiel:
- einer Angsterkrankung
- Zwangsstörungen
- Essstörungen
- ADHS
o. ä. leiden, sind gefährdet, im Laufe ihres Lebens eine bipolare Störung zu entwickeln. Hieraus können sich dann wiederum auch körperliche Beschwerden, wie zum Beispiel Migräne oder Diabetes, entwickeln.
Gerade im Alter kann eine bipolare Störung Menschen und ihr Umfeld, zum Beispiel
auch den Pflegedienst, vor groĂźe Herausforderungen stellen.
Die Ursachen einer bipolaren Störung können breitgefächert sein
Die Wissenschaft forscht aktuell noch intensiv daran, wie es zu einer bipolaren Störung kommen kann. Aktuell spricht vieles für die folgenden möglichen Risikofaktoren:
- eine familiäre Vorbelastung
- Depressionen, die „überraschenderweise“ schnell ausgeheilt sind
- traumatische Erlebnisse.
Viele Ärzte raten Menschen mit Depressionen, unter anderem auf ein gesundes Stresslevel zu achten und ihrem Körper ausreichend Pausen zu gönnen. Inwieweit genau das dabei helfen könnte, der Entstehung einer bipolaren Störung vorzubeugen, konnte bisher (noch?) nicht geklärt werden.
Achtung! Erhöhtes Suizidrisiko!
Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen, die unter einer bipolaren Störung leiden, einem erhöhten Suizidrisiko ausgesetzt sind. Sollten Sie an Selbstmord denken oder jemanden in Ihrem Umfeld haben, um den Sie sich in dieser Hinsicht Sorgen machen, nutzen Sie unbedingt die Notfallkontakte, die für Ihr Bundesland aktuell sind. Eine hilfreiche Anlaufstelle finden Sie auch
in der Telefonseelsorge.
Welche Symptome weisen auf eine bipolare Störung hin?
Bipolare Störungen können sich auf unterschiedliche Weise zeigen. Klassische Standards, wie „Ab 38°C haben Sie Fieber!“ gibt es hier nicht.
Je nach Episode sind die folgenden Symptome jedoch weitverbreitet:
- aufgedreht
- Rastlosigkeit
- extrem gesprächig (deutlich mehr als sonst)
- vermehrte Lust auf Sex
- Shoppingsucht“
- Enthemmtheit
- Schlafprobleme
- Größenwahn
- leicht abzulenken
- rücksichtsloses Verhalten (, ohne dass sich der Betroffene hierüber bewusst wäre).
Menschen, die sich in einer sogenannten „gemischten Episode“ befinden, weisen verstärkt gegensätzliche Symptome auf. Im einen Moment möchten sie beispielsweise allein sein, im anderen Moment haben sie Lust auf die nächste Party mit möglichst vielen Menschen.
Wie lange eine solche Episode dauert, kann nicht standardisiert beantwortet werden. Manche Episoden dauern nur einige Tage, manche Wochen. Und genau dieses „Hin und Her“ wird auch für das Umfeld immer wieder aufs Neue zu einer besonderen Herausforderung.
Wie werden bipolare Störungen therapiert?
Vorweg: Um eine bipolare Störung zu behandeln, braucht es immer eine Therapie. Diese Art von Erkrankung wird nicht von alleine „ausheilen“.
Im ersten Schritt setzt die Medizin auf eine sogenannte Akuttherapie. Hier geht es darum, die Symptome zu lindern. Wenn dies gelungen ist, folgt die Phasenprophylaxe. In dieser Phase soll dafür gesorgt werden, dass die manischen bzw. die depressiven Episoden nicht mehr wieder kommen und einem Rückfall bestmöglich vorgebeugt wird. In dieser Zeit schaffen es viele Betroffene, wieder einen großen Teil ihrer Lebensqualität zurückzuerhalten.
Damit sich die Patienten optimal auf eine Behandlung einlassen können, findet diese, wie eine Art
stationäre Pflege, in der Regel in einer Klinik statt. Eventuell werden für eine möglichst rasche Verbesserung des Allgemeinzustandes auch Medikamente verabreicht.