Altenpflege und das Corona-Virus


Pflegeheime in der Krise

Covid-19 ist allgegenwärtig, eine in der Bundesrepublik Deutschland nie dagewesene Krise spitzt sich immer weiter zu. Rettungspakete für Unternehmen werden kurzfristig in Milliardenhöhe beschlossen und bereitgestellt. Das öffentliche Leben wird, so gut es eben geht zurückgefahren, um einer schnellen Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken. Menschen mit Vorerkrankungen und Ältere sind besonders gefährdet. Hierzu zählen gerade die Bewohner in Pflegeheimen, doch die Situation in den Einrichtungen spitzt sich immer mehr zu.Corona Virus

Nach Angaben der dpa und des ZDF sind allein neun der zwanzig Corona-Toten aus Bayern in einem Pflegeheim in Würzburg ums Leben gekommen (Stand 20.03.2020). Insgesamt liegen von den insgesamt 160 Bewohnern derzeit fünf mit einer Coronavirus-Erkrankung in Kliniken. Zehn weitere werden in ihren Zimmern des Pflegeheims versorgt, außerdem seien 23 Pflegekräfte ebenfalls positiv auf das Virus getestet worden. Jedoch gäbe es bislang keinen Hinweis auf eine Straftat, eine Ermittlung sei derzeit nicht von Nöten erklärte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Unterfranken.

Weniger Bürokratie in Pflegeheimen

Bürokratie und Aufwand sollen reduziert werden, so der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Pflegebeauftragte der Bundesregierung Andreas Westerfellhaus in einer Presserklärung. Hierzu wurden bereits am 19.03.2020 Sonderregelungen für Pflegeheime angekündigt, welche die Betreuung in Pflegeheimen während der Coronakrise sicherstellen sollen.

So soll die körperliche Untersuchung zur Einstufung des Pflegegrads bis September dieses Jahres komplett entfallen. Vielmehr solle nach Telefonaten und Aktenlage entschieden werden so Spahn. Weiterhin werde auf die regelmäßigen Qualitätsprüfungen, den sogenannten Pflege-TÜV, sowie den Personalschlüssel in Pflegeheimen vorerst verzichtet. Eine Kürzung der Mittel soll es laut dem Bundesgesundheitsminister ebenfalls nicht geben. Stattdessen lobte Spahn die derzeitigen Leistungen des medizinischen Personals.

Erhöhung der Kosten für Bewohner und deren Angehörige schließt Spahn aus

Das sollen die Pflegekassen übernehmen, was in Kürze auch gesetzlich geregelt werden soll. „Die Pflegeversicherung verfügt über ausreichend Rücklagen, um die Corona-bedingten Mehrkosten auszugleichen.“ teilte Gernot Kiefer, der stellvertretende Vorsitzende des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, der Funke-Mediengruppe mit.

Pflegeheime sind nur unzureichend mit Schutzkleidung ausgerüstet

Vor allem aber sollen die Pflegeheime mit Schutzausrüstung besser ausgestattet werden. Eine in den ARD-Tagesthemen von Caren Miosga interviewte Altenpflegerin kritisierte bereits diesen Zustand. Ebenso machte sie darauf aufmerksam, einen Schnelltest für Pfleger einzuführen. „Das ärgert mich furchtbar. Wir sind ständig in Kontakt mit der Gruppe und haben Angst, dass wir es reintragen.“ Eine mögliche Gegenmaßnahme wäre, wenn Pflegekräfte bei den Tests bevorzugt behandelt werden würden. Auch ein Schnelltest könne mehr Sicherheit bringen so die Pflegerin.

Altenpflege

Im europäischen Vergleich hinkt das deutsche Pflegesystem hinterher

Seit langem gibt es Debatten darüber, dass das deutsche Pflegesystem im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich finanziert sei. Noch im Januar dieses Jahres forderten die Verbraucherzentralen die Politik auf, rasch dagegen zu steuern. Denn im Gegensatz zu den Krankenversicherungen übernehmen die Pflegeversicherungen nur einen Teil der anfallenden Kosten. Wie hoch dieser Anteil ist, hängt vom jeweiligen Pflegegrad der zu betreuenden Person ab. Für die Bewohner kommen zu ihrem Eigenanteil der Pflege zusätzlich noch Kosten für Verpflegung und Unterkunft hinzu. Diese Doppelbelastung kann von vielen oft nicht geleistet werden. Selbst Personen, die ihr Leben lang gut verdient hätten, stoßen oft an ihre Grenzen. Zwar wollte Spahn die Debatte nach eigenen Angaben noch in diesem Jahr zu einer Entscheidung führen, jedoch dürfte dies angesichts der derzeitigen Situation schwierig werden.

Schnelle Maßnahmen zum Schutz der Risikogruppen beschlossen

Zur Verlangsamung der Pandemie und dem Schutz der Risikogruppe haben die Länder entsprechende Einschränkungen zum Besuch in Alten- und Pflegeheimen veranlasst. So wurde in Bayern u.a. der Besuch von vollstationären Einrichtungen der Pflege (gem. §71 Abs.2 SGB XI), der Eingliederungshilfe, ambulant betreuten Wohngemeinschaften zum Zwecke der außerklinischen Intensivpflege sowie Altenheimen und Seniorenresidenzen. Auch das Verlassen der eigenen Wohnung – außer es liegen triftige Gründe vor – sind dort für Pflegeheimbewohner untersagt.

In Baden-Württemberg dürfen u.a. stationäre Einrichtungen für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf oder mit Behinderungen sowie von einem Anbieter verantwortete ambulant betreute Wohngemeinschaften nach dem Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz nicht mehr besucht werden.

In Berlin dagegen dürfen Bewohner von Pflegeheimen zumindest einmal pro Tag für eine Stunde besucht werden. (Quelle: https://www.biva.de/besuchseinschraenkungen-in-alten-und-pflegeheimen-wegen-corona/)

Für die Bewohner und ihre Angehörigen bedeutet dies eine enorme psychische Belastung. Während einige auf die Situation verständnisvoll reagieren, seien andere unbelehrbar und wollen die Gefahr nicht wahrhaben. Diskussion zwischen Pflegekräften, Bewohnern und Angehörigen seien deshalb gerade an der Tagesordnung. Die Situation wird immer problematischer. Der Fachkräftemangel, steigende Infektionszahlen und das Risiko, aufgrund nicht vorhandener Schutzkleidung selbst zu erkranken, belasten die Pflegekräfte enorm. Das bestätigen auch die aktuellen Zahlen zweier Umfragen bei Pflegekräften des Marktforschungsinstituts Psyma.

Um die Krise gut zu überstehen müssen alle mitmachen

Dennoch muss mit dem Umstand adäquat umgegangen werden. Denn wir müssen uns darauf vorbereiten, dass das Virus bleiben wird. Es muss daher auch mit allen Mitteln versucht werden, das Wohl der Menschen zu erhalten. Dies kann nur gemeinsam geschehen, es ist eine soziale Aufgabe.

Auch wenn social-distancing, eine derzeit häufig verwendete Floskel scheint, gemeint ist keinesfalls die absolute Isolation. Gegenüber vergangener Pandemien haben wir einen enormen Vorteil – nämlich das Glück, auch über soziale Netzwerke miteinander kommunizieren zu können. Auch solche Mittel können dazu beitragen unsere Pflegekräfte zu entlasten. Bringen wir ihnen in dieser Lage alle noch etwas mehr Verständnis entgegen, haben wir selbst einen weiteren Beitrag zum Kampf gegen den Virus geleistet.

Es bleibt zu hoffen, dass wir die Krise gemeinsam gut überstehen. Vielleicht können wir dann auch noch einmal in Ruhe über die wichtigen Dinge in unserer Gesellschaft nachdenken und diese entsprechend organisieren und entlohnen. Ansatzpunkte gibt es jedenfalls.