Erste Schritte bei Pflegebedürftigkeit - Ratgeber für pflegende Angehörige


Erste Schritte bei Pflegebedürftigkeit – Ratgeber für pflegende Angehörige

Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird und zuhause gepflegt werden soll, kommen auf die Familie zahlreiche Herausforderung zu. Um diese zu meistern, braucht es viel Kraft und Informationen. Ich möchte Ihnen gerade die schwierige Anfangsphase der neuen Situation ein wenig erleichtern und habe passend dazu diverse Erledigungen arrangiert, die jetzt anstehen. Diese sollen als Orientierung dienen.

 

Suchen Sie Rat bei Experten!

Steht fest, dass ein Familienmitglied künftig nicht mehr ohne Hilfe zurechtkommen wird, ist es entscheidend die Versorgung bedarfsgerecht zu gestalten und schnellstmöglich alle dafür erforderlichen Schritte zu unternehmen. Aufgrund der Vielzahl an Aufgaben fühlen sich viele Angehörige zurecht überfordert und nicht selten allein gelassen. Es gibt jedoch eine Reihe an Experten, die Ihnen zur Seite stehen. Dazu gehören:

  • Hausarzt
  • Klinikarzt
  • Apotheker
  • Sozialdienst
  • Fachkundige Berater
  • Sanitätshäuser
     

Generell ist es empfehlenswert von Beginn an mit kompetenten Experten Kontakt aufzunehmen. Damit ersparen Sie sich unnötige Missverständnisse und verlieren keine wertvolle Zeit. Pflegeberater finden Sie bei Wohlfahrtsverbänden, Pflegestützpunkten sowie bei der Krankenkasse.

Befindet sich der zu pflegende Angehörige noch in einer Klinik und die Entlassung steht bevor, sind Sie gut beraten sowohl mit dem Klinikarzt als auch mit dem Hausarzt Rücksprache zu halten. Der Klinikarzt händigt Ihnen in der Regel einen Kurzbrief aus, der an den Hausarzt übergeben wird. Klären Sie mit der Klinik die medizinische Versorgung. Beispielsweise ist es üblich, dass Patienten ausreichend Medikamente ausgehändigt werden, um für einige Tage versorgt zu sein. Darüber hinaus ist die Klinik dafür verantwortlich, dass die Nachsorge für den Pflegebedürftigen in die Wege geleitet wird. Leider kommen die zuständigen Fachangestellten der Kliniken nicht immer auf Patienten zu. Stattdessen müssen Sie sich bemühen und alle offenen Fragen klären. Fragen Sie nach verantwortlichen Mitarbeitern der Pflegeüberleitung oder dem Sozialdienst. Bitten Sie um Hilfe beim Stellen des Antrags für Pflegegrad und möglicher Reha. Auch die Hilfsmittelorganisation oder die Vermittlung von Pflegediensten ist durch den Sozialdienst denkbar.

Der Hausarzt sollte rechtzeitig den Entlassungstermin des Patienten erfahren. Anschließend kann er Rezepte für die nötige Medizin ausstellen und Hilfsmittel verordnen. Fragen Sie den Hausarzt nach weiteren Ansprechpartnern und Pflegediensten aus der Region. Vielleicht hat er bereits die ideale Anlaufstelle parat. Ein weiterer Ansprechpartner ist der Apotheker. Mit ihm lassen sich Medikationspläne besprechen und individuelle Fragen rund um die medizinische Versorgung klären.

Beschaffung von Hilfsmitteln

Sobald mit den Ärzten geklärt werden konnte, welche Hilfsmittel für die häusliche Pflege benötigt werden, können Sie sich um dessen Beschaffung kümmern. Dahingehend sind erfahrene Sanitätshäuser eine gute Wahl. Diese finden Sie in nahezu jeder Region. Lassen Sie sich persönlich beraten und schauen Sie sich die Produkte in Ruhe an. Die ausgebildeten Fachangestellten wissen, worauf es bei Pflegebedürftigen ankommt und können bedarfsgerechte Lösungen präsentieren. Alternativ zum stationären Fachhändler, können Sie sich an das Internet-Sanitätshaus Semed wenden, das eine große Vielfalt an Sanitätsartikeln führt und einen telefonischen Beratungsservice bietet.

Damit Sie sich über mögliche Hilfsmitteleinen Überblick verschaffen können, die Ihnen die häusliche Pflege erleichtern, gehe ich auf einige Beispiele ein:

Hilfsmittel

Hinweise

Haus-Notruf

Um zu gewährleisten,dass der Pflegebedürftige bei Ihrer Abwesenheit eigenständig Hilfe rufen kann, ist ein Haus-Notruf vorteilhaft. Hierbei wird ein Funksender so platziert, das im Ernstfall Helfer alarmiert werden können. Der Basistarif für einen solchen Anschluss übernimmt die Krankenkasse bei genehmigtem Pflegegrad vollständig oder teilweise.

Rollator

Kann sich der Pflegebedürftige noch selbstständig fortbewegen, ist die Verwendung eines Rollators ideal. Dieses Hilfsmittel verschafft Mobilität und Eigenständigkeit. Sie haben vom Arzt ein Rezept dafür erhalten? Dann gehen Sie damit ins Sanitätshaus und informieren Sie sich über passende Modelle.  

Bett

Zum Schutz des Angehörigen und zur Arbeitserleichterung für Pflegende ist ein Pflegebett optimal.Auf dem Rezept vom Arzt sollte der Vermerk „behindertengerecht“ zu lesen sein. Sanitätshäuser sowie Pflegedienste helfen bei der Auswahl.

Inkontinenzmittel

Gibt es ein Rezept, zahlt die Krankenkasse die Rechnung für die verordnete Menge an Inkontinenzmittel. Oft werden derartige Hilfsmittel direkt zum Patienten geliefert.  


Darüber hinaus, stehen dem Pflegebedürftigen bis zu 40 Euro monatlich für Verbrauchsprodukte wie Einmalhandschuhe oder Desinfektionsmittel zu. Vorausgesetzt die Pflegebedürftigkeit ist anerkannt. Die Erstattung erfolgt über die Pflegekasse.

Durch das Pflegestärkungsgesetz haben sich auch die Zuschüsse für notwendige Umbaumaßnahmen zuhause verbessert. Egal ob begehbare Duschen, Treppenlift oder Rampen für den Rollstuhl. „Die Pflegekasse zahlt – unabhängig vom Pflegegrad – auf Antrag bis zu 4.000 Euro als Zuschuss für Anpassungsmaßnahmen, die die häusliche Pflege in der Wohnung ermöglichen, erleichtern oder eine möglichst selbstständige Lebensführung der beziehungsweise des Pflegebedürftigen wiederherstellen“, so die Erklärung im online verfügbaren Pflegeratgeber des Bundesministeriums für Gesundheit. In der Broschüre finden Sie weiterführende Hinweise zum Thema.

Antrag und Hausbesuch vom Gutachter

Damit die Pflegekasse die anfallenden Kosten für die Pflege übernimmt, müssen Sie einen Antrag stellen. Zunächst verfassen Sie ein formloses Schreiben, in dem Sie sich an die Pflegekasse des zu Pflegenden wenden. Da die Kasse ab Stichtag des Antragseingangs zahlt, ist es wichtig das Schreiben mit dem aktuellen Datum zu versehen. Zudem muss der Versicherte, also der Pflegebedürftige unterschreiben. Kopieren Sie das Dokument bevor Sie es abschicken.

Anschließend erhalten Sie von der Kasse das Formular für den Antrag, das Sie möglichst zügig zurücksenden sollten. Wir empfehlen das Ausfüllen nicht allein vorzunehmen, sondern dafür einen Pflegeexperten zurate zu ziehen. Ansonsten könnten die zahlreichen Fachbegriffe verwirrend sein und Fehler sind vorprogrammiert. Auch den Antrag muss der Pflegebedürftige unterzeichnen, bevor er an die Kasse gesendet wird.

Zur Ermittlung des Pflegebedürftigkeitsgrades, schickt die Pflegekasse einen Gutachter zu Ihnen. Während des angekündigten Hausbesuchs klärt der Gutachter mit Ihrem Angehörigen seine Mobilität und den Pflegebedarf. Das erstellte Gutachten wird vom Gutachter der Pflegekasse übermittelt, welche den Inhalt prüft und anhand dessen den Pflegegrad festlegt. Dieser muss Ihnen in Form eines Bescheides spätestens fünf Wochen nach Antragseingang ausgehändigt werden. Informatives zu den neuen Pflegegraden und den wichtigsten Änderungen ab 2017, die mit dem Pflegestärkungsgesetz II einhergehen, habe ich in diesem Beitrag erörtert. 

Wie geht es weiter?

Sobald der Pflegegrad geklärt ist, können alle weiteren Schritte, wie zum Beispiel die Beauftragung eines Pflegedienstes und Aufstellung eines Pflegeplans, folgen. Hausärzte, Klinik-Sozialdienste, Wohlfahrtsverbände, Pflegekasse und Co. informieren über seriöse Dienste und beraten detailliert.  

Fotos: ArtWithTammy / moritz320 / anSICHThoch3 -https://pixabay.com

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