Angehörige zuhause pflegen: Sinnvoll oder nicht?


Angehörige zuhause pflegen: Sinnvoll oder nicht?

Ob pflegebedürftige Angehörige professionell betreut werden oder wir uns selbst um deren Pflege kümmern, ist eine Frage, der sich vielleicht jeder von uns eines Tages in seinem Leben einmal stellen muss. In etwa 70 Prozent der Fälle wollen Angehörige die Pflegebedürftigen zuhause versorgen. Die Gründe dafür sind einleuchtend. Wir wollen etwas zurückgeben, Danke sagen, die uns verbleibende Zeit so intensiv wie möglich nutzen. Doch es gibt auch Schattenseiten.

Pflegestufe beantragen

Bei der sogenannten Laienpflege kümmern sich Angehörige um zu pflegende Personen. Die Pflegeversicherung der pflegebedürftigen Person zahlt je nach Pflegestufe einen bestimmten Betrag als Aufwandsentschädigung. Die entsprechende Pflegestufe und die damit verbundene Aufwandsentschädigung müssen vorher bei der Pflegeversicherung beantragt werden.

Wenig Pflegegeld

Bei dem ausgezahlten Pflegegeld fallen drei grundlegende Dinge ins Auge. Zum einen ist der Betrag erschreckend gering und deutlich unterhalb der gesetzlich festgelegten Armutsgrenze. Außerdem fällt auf, dass bei steigender Pflegestufe der ausgezahlte Betrag proportional zum Arbeitsaufwand sinkt. Für eine Stunde Pflegearbeit gibt es also weniger Geld je höher die Pflegestufe ist.

Freistellung von der Arbeit

Es gibt Möglichkeiten, sich von der Arbeit freistellen zu lassen und Lohnersatzleistungen zu erhalten, jedoch gelten diese nur für das kurzzeitige Fernbleiben. Insgesamt ist eine Freistellung für höchstens sechs Monate möglich und das auch nur in Betrieben mit mindestens 16 Mitarbeitern.

Mehr Pflegegeld bei Einsatz von Profis

Ein weiterer Punkt, welcher bei der Übersicht der verschiedenen Pflegestufen und dem ausgezahlten Pflegegeld auffällt, ist die deutliche Diskrepanz zwischen dem Pflegegeld für Angehörige und dem Pflegegeld im Falle einer professionellen Pflege. Beim Einsatz professioneller Pfleger – zum Beispiel durch die Vermittlung Pflegekräfte – zahlt die Pflegeversicherung zum Teil mehr als die doppelte Summe.

Klage gegen Ungerechtigkeit

Solche gravierenden Unterschiede werden nicht selten hinterfragt. So geschah es auch in diesem Fall. Eine Mutter und ihre Tochter gingen vor Gericht. In ihrer Klage bezogen sich die zwei Frauen aus Bayern auf den grundgesetzlichen Gleichheitssatz, den sie für nicht erfüllt hielten.

Verfassungsgericht unterscheidet zwischen ehrenamtlicher Tätigkeit und Dienstleistung


Das Bundesverfassungsgericht urteilte in einem Beschluss vom 26.03.2014, dass es sich in dem Fall nicht um Gleiches handelt, sondern um zwei verschiedene Modelle, die daher auch verschieden entschädigt werden. Laut dem Urteil handelt es sich bei der Pflege durch Angehörige um eine Beistandspflicht der Familie, die auf einer ehrenamtlichen Leistung beruht, für die kein Vertrag mit der Pflegekasse besteht. Die Profipflege dagegen ist eine Dienstleistung, die einen höheren finanziellen Aufwand bedarf, weshalb auch das Pflegegeld in diesem Fall höher ist.

Zwischenmenschliche Beziehung gefährdet

Ein weiterer Grund, der für die Vermittlung von Krankenpflegern und anderen Pflegekräften spricht, ist die Beziehung zwischen dem Pfleger und der zu pflegenden Person, die Anfangs oft innig ist, aber durch den extremen Kontakt zur Zerreißprobe wird. In anderen Fällen gibt es schwelende Konflikte und der Pfleger erhofft sich möglicherweise eine Anerkennung, die er in der Kindheit nicht bekam und vermutlich als pflegende Person auch nicht bekommen wird.

 

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